Die steuerliche Wirkung von Abschreibungen

Abschreibungen sind ein zentrales Element des Steuerrechts.

Sie dienen nicht nur der periodengerechten Gewinnermittlung, sondern werden vom Gesetzgeber auch gezielt eingesetzt, um Investitionen zu fördern.

Gleichzeitig entsteht häufig der Eindruck, Abschreibungen würden automatisch Steuern sparen. Diese Vorstellung greift jedoch zu kurz.

In diesem Beitrag zeige ich:

  • was Abschreibungen steuerlich bewirken

  • welchen Lenkungszweck der Gesetzgeber damit verfolgt

  • wann Abschreibungen steuerlich sinnvoll eingesetzt werden können 

1. Was eine Abschreibung steuerlich bewirkt

Die Ausgaben für Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stehen, werden nicht vollständig im Jahr der Anschaffung als Betriebsausgaben berücksichtigt. Stattdessen werden die Ausgaben abgeschrieben. Der Aufwand wird über die sogenannte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer kann von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein. 

Beispiel:

Unternehmer Müller kauft im Januar 2026 einen Pkw für netto 60.000 €. Der Pkw hat eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 6 Jahren. Unternehmer Müller kann in den Jahren 2026 bis 2031 jeweils 10.000 € Abschreibung als Betriebsausgaben ansetzen.

Wichtig ist dabei: Eine Abschreibung führt zu keinem Geldfluss, sondern wirkt ausschließlich auf das steuerliche Ergebnis.

2. Abschreibung als Instrument des Gesetzgebers

Neben der „normalen“ linearen Abschreibung nutzt der Gesetzgeber Abschreibungsregelungen ganz bewusst, um wirtschaftliche oder politische Ziele zu fördern.

Typische Ziele sind:

  • Förderung von Investitionen

  • Unterstützung bestimmter Branchen

  • Lenkung hin zu nachhaltigen oder innovativen Wirtschaftsgütern

Abschreibungen sind damit auch ein wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument.

3. Beispiele für gezielte Investitionsanreize

Degressive Abschreibung

Sie ermöglicht höhere Abschreibungsbeträge in den ersten Jahren nach der Anschaffung. Die Politik nutzt diese Abschreibungsart in unregelmäßigen Abständen als “Investitions-Booster”.

Begünstigte Abschreibung von Elektrofahrzeugen

Für rein elektrisch betriebene Fahrzeuge, die ab dem 01.07.2025 angeschafft wurden, können bereits im ersten Jahr 75 % der Anschaffungskosten als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Der Rest wird nach festen Sätzen über die folgenden fünf Jahre verteilt. Damit soll der Umstieg auf emissionsärmere Mobilität gefördert werden.

Investitionsabzugsbetrag

Unternehmen mit einem Jahresgewinn bis zu 200.000 € können bereits vor der Anschaffung 50 % der geplanten Anschaffungskosten als Betriebsausgabe ansetzen. Diese "vorweggenommene Abschreibung" soll kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit geben  Investitionen früher oder überhaupt umzusetzen.

Wichtig ist hierbei: Diese besonderen Abschreibungsarten verändern nicht die Gesamthöhe der Abschreibung, sondern deren zeitliche Verteilung.

4. Steuerstundung oder echter Steuervorteil?

Eine schnelle Abschreibung bewirkt zunächst eine Steuerstundung:

  • geringere Gewinne und damit Steuerbelastung in frühen Jahren

  • dafür höhere Gewinne und Steuerbelastung in späteren Jahren

Ein echter Steuervorteil kann sich jedoch ergeben, wenn der progressive Einkommensteuertarif wirkt.

Wird der Abschreibungsaufwand gezielt in Jahre mit hohem Grenzsteuersatz verlagert, kann dies über mehrere Jahre hinweg zu einer dauerhaften Steuerersparnis führen.

Dies setzt allerdings eine mehrjährige Betrachtung und eine bewusste steuerliche Planung voraus.

5. Fazit

Abschreibungen sind kein pauschaler Steuersparmechanismus.

Aber:

  • ein bewusst eingesetztes Lenkungs- und Planungsinstrument

  • ein Mittel zur Förderung von Investitionen

  • unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Weg zu echten Steuervorteilen

Entscheidend ist nicht, dass abgeschrieben wird – sondern wie, wann und in welchem Gesamtkontext.

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